Rückblick auf Dienstag, Tag 32
Ich genieße den Sonnenuntergang am Kap. Ich bin fast ganz alleine hier und sitze bis der Mond an der Klippe erscheint. Nur das Rauschen des Meeres umgibt mich. Ich beschließe jetzt nicht zu denken und nur zu genießen. Ich habe in meinem Leben bisher genug denken müssen.
Tag 33, Mittwoch
Am Abend hatte ich überlegt ob noch einen Tag an diesen schönem Ort bleibe. Gegen ca. 3Uhr kam allerdings ein starker Wind auf der auch heftig an Tante Inge gerüttelt hatte. Und der Sturm wurde schlimmer.
Also aufbrechen und weiterziehen.
Einen richtigen Plan was das nächste Ziel sein könnte habe ich nicht. Nur das ich Richtung Süden will steht fest.
Kurt Tucholsky hat einmal die "Die Kunst falsch zu reisen" geschrieben. Und ganz kurz "Die Kunst richtig zu reisen" hat er auch beschrieben.
Entwirf Deinen Reiseplan im Großen - und lasse Dich im Einzelnen von der bunten Stunde treiben.......Nimm die kleinen Schwierigkeiten nicht so wichtig bleibst Du einmal auf einer Zwischenstation sitzen.........Entspanne Dich las das Steuer los. Trudele durch die Welt. Sie ist so schön. Gib dich ihr hin und sie wird sich dir geben......
Ohne die bisher die Worte von Tucholsky zu kennen reise ich schon geraume Zeit so. Glaube ich zumindest.
Leider finden Publizisten wie Tucholsky und oder v. Ossietzky heute keine Beachtung mehr.
Man ist Meinung das die sogenannte KI das sowieso alles viel besser kann. Die eigene Intelligenz soll der KI unterlegen sein. Unsinn.
Danke an die vielen Mitleser meiner kleinen Reisberichte und ich freue mich über jeden Kommentar. Leider habe ich immer noch nicht rausbekommen wie ich auf die Kommetare antworten kann.
Ich ziehe weiter und habe mir Setubal als nächstes Ziel rausgesucht. Eine Stadt mit viel Geschichte die schon von den Phöniziern und Kelten besiedelt wurde. Davon sieht man heute nichts mehr. Lediglich eine alte Burg existiert noch oberhalb der Stadt., Die Zufahrt zu der Burg habe ich nicht gefunden, Und den Berg hochlaufen wollte ich nicht.
Viele Seefahrer sind zu Entdeckungsreisen von Setubal aus gestartet und brachten der Stadt einigen Wohlstand. Zeugnisse davon kann man heute noch sehen.
Mitten in der Stadt finde ich einen Parkplatz, Ein freundlicher Einwohner, wahrscheinlich aus Afrika kommend weist mich wortstark ein. Kaum habe geparkt und steige aus, kommen noch seine Geschwister und versuchen mir Sonnenbrillen, Strümpfe, Uhren und Zigaretten die lustig machen zu verkaufen. Letzters hätte mich interessiert, aber ich kenne die Rechtslage dazu in Portugal nicht. Und ein Risiko will ich nicht eingehen.
Gut das Tante Inge kompakt ist. Meistens findet man auf PKW Parkplätzen immer einen Platz.
Setubal ist heute eine Industriestadt die hauptsächlich von der Fischverarbeitung und vom Hafen lebt. Neben den "Verkäufern" auf dem Parkplatz fallen mir viele Bettler und Obdachlose auf.
Ich besuche als erstes die alte Markthalle von Setubal. Bekannt vor allem für das große Angebot an Fisch. Obwohl ich erst gegen Mittag in der Markthalle war, gab es noch viel Fisch zu kaufen. Leider kenne ich mich bei Fisch überhaupt nicht aus. Außer Karpfen, Forellen und Fischstäbchen von Käpt'n Iglu (keine bezahlte Werbung).
Auch Obst, Gemüse und Käse gibt es reichlich.......
Und Wein darf nicht fehlen.....schon mit Weihnachtsdekoration.....es ist gerade mal Ostern??
Die Stadt ist "übersichtlich", schön zum bummeln....
Es scheinen Wahlen anzustehen. Ich wusste nicht, dass die CDU auch in Portugal antritt. Interessant ist, dass auch die Linken Banditen, die Grünen im "schönen" AfD blau alle auf einem Wahlplakat "vereint" sind. Nur die Sozis fehlen, spielen hier wahrscheinlich auch keine Rolle mehr ;).
Außerhalb der Stadt finde ich zufällig einen sogenannten Lost Place mit alten Schiffswracks. Als ich ankomme liegen die Schiffe noch im Wasser.
Am Abend fehlt das Wasser. Die Gezeiten sind die Ursache. Es ist Ebbe und alten Schiffe liegen nun im trocknen.........
Ein etwas schauriger Ort, ich beschließe hier zu übernachten und genieße den Sonnenuntergang. Später besuchen mich noch Mücken. Wir werden uns aber schnell einig.
Tag 34, Gründonnerstag
Warum heist der Tag eigentlich Gründonnerstag? Hoffentlich nicht weil an einem Donnerstag die Grünen gegründet wurden ;). Egal, die Nacht war ruhig.
Am morgen suchen Fischer wahrscheinlich nach Krebsen.
Und heute fahre ich wieder einige Kilometer Richtung Süden.
Mein nächstes Ziel ist Cais Palafítico da Carrasqueira.
Hier wurde in 50er Jahren auf im Wasser verankerten Holzpfählen Anlegestellen für die Boote der Fischer errichtet. Obwohl ein Teil der Anlegestellen heute verwittert sind, werden diese immer noch von Fischern genutzt.
Leider zum Zeitpunkt meines Besuches nicht. Das Wasser war nicht da. Ebbe. Blöde Gezeiten. Wie sagte neulich das Universalgenie der Grünen, die Küchenhilfe Göring-Eckardt: "Wir haben die Kontrolle über die Natur verloren". Bildung ist eben durch nichts zu ersetzten.
Aber sehenswert ist es dennoch gewesen.
Ich fahre weiter in den ehemaligen Fischerort Comporta. Der liegt im Sadodelta und ist ein Paradies für Vogelliebhaber. Und man kann hier Sußwasserdelphine beobachten. Es werden Ausflüge zu den Delphinen angeboten. Ich verzichte, man sollte die Tiere in Ruhe lassen.
Im Ort selbst sieht man viele Storchennester. Aktuell ist Paarungszeit und das ist mit viel Lärm verbunden.
Der schöne Ort entwickelt sich gerade zu einem Touristenhotspot. Es sind mehrere Hotelkomplexe geplant, mitten im Naturschutzgebiet. Schade um die Natur. Alles für den Massentourismus.
Durch Kiefernwälder laufe ich noch zum Strand.......
Und hier ist schon Saison. Es sind auch viele Deutsche hier, Osterferien in Deutschland.
Zum Baden ist mir das Wasser zu kalt. Und meine Figura ist noch nicht Beachtauglich..........
Da es ein Naturschutzgebiet ist, ist das Übernachten am Meer verboten. Ich respektiere das und übernachten im Ort an einem Sportplatz.
Tag 35, Karfreitag
Das nächste Ziel ist die alte Hafenstadt Sines.
Die Straßen entlang der Küste sind wie ausgestorben. Entweder sind die Portugiesen alle am Strand oder in der Kirche.
Ich fahre durch Wälder mit Korkeichen.
Der Kork wird von Mitte Mai - Juni von den Bäumen geschält. Alle neun Jahre ist das möglich. Die Jahreszahl gibt an wann der Baum das nächste Mal geschält werden kann.
Aus Kork werden hauptsächlich Weinkorken hergestellt. Aber auch Schuhe und in der Bausstoffindustrie findet Kork Verwendung.
Sines, eine alte Seefahrerstadt an einer Steilküste gelegen.......
Hier wurde um 1469 Vasco da Gama geboren.
Er hat 1498 den Seeweg nach Indien um das Kap der guten Hoffnung entdeckt. Und konnte damit die Abhängigkeit der Portugiesen von der Seidenstrasse im Gewürzhandel mit seiner Kolonie Indien lösen. Später wurde er noch Vizekönig von Indien.
Eine gewisse Ähnlichkeit mit mir ist zu erkennen. Glaube ich. Ich muss nur noch irgendetwas entdecken.
Ich mache einen kleinen Stadtbummel. Die Stadt ist sehr "übersichtlich". Übernachten will ich hier nicht.
Ich hatte Anfang März ein Pärchen, die auch mit einem Camper unterwegs sind, in Gombril kennengelernt. Später haben wir uns zufällig in Santiago de Compostela wiedergetroffen.
Über Polarsrtepps habe ich gesehen, dass die beiden auch in der Nähe von Sina sind und auf einem Quinta (alter Bauernhof) mit Campingplatz übernachten. Der Kontakt ist schnell hergestellt und ich fahre auch dahin.
An der "Rezeption" im Garten musste ich erst ein Glas Rotwein trinken. Und ein zweites. Ein drittes Glas habe ich abgelehnt. Schließlich musste ich Tante Inge noch "einparken".
Bauernhof mit Campingplatz trifft es vielleicht nicht ganz.
Ein Fitness Areal ist auch vorhanden. Aber das ist nichts für mich. Ich fühle mich fit.
Sanitäranlagen, Dusche, Küche. Es fehlt an nichts.
Es gibt auch eine Bar, hier mit meinen Reisebekannten.......am Abend. Der Rotwein ist lecker und günstig.
Später kommt noch ein Portugiese und ein deutscher Auswanderer hinzu. Aber kurz nach neun werde ich müde.....liegt wahrscheinlich am Rotwein.
Tag 36, Samstag
Ich bleibe noch einen Tag hier auf dem Platz. Ich muss mich ausruhen, meine Holiday-Life Balance darf ich nicht gefährden.
Die Sonner scheint, blauer Himmel. Das Meer ist über 4km entfernt und ich habe kein Fahrrad mit. Also kein Meer heute.
Ich erkunde den Quinta.
Nicht modern, könnte ein wenig aufgeräumt werden. Aber der Platz hat Charme, die Gastgeber sind nett. Es ist ruhig und ich genieße das.
Und zitiere noch einmal Tucholsky "...freu Dich das Du am Leben bist, sieh Dir die Hühner an und die ernsthaften Ziegen und mache einen kleinen Schwatz mit dem Mann im Zigarrenladen"....... Viel besser hätte ich das auch nicht beschreiben können.
Und ich freue mich auf das was noch kommt.
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