Tag 27, Donnerstag
Am morgen scheint wieder die Sonne. Aber ich verwerfe meinen Plan noch einen Tag an diesem schönen Ort an der Costa da Nova zu bleiben. Es ist mir zu windig hier.
Mit dem Wind fliegt auch Sand durch die Luft und der kriecht mit der Zeit überall hin. Und Sand werde ich in Marokko noch genug haben.
Also geht es weiter Richtung Süden.
Meine Trinkwasservorräte gehen zur Neige und einige Lebensmittel auch. Ein Lidl liegt auf Weg und wie es sich für einen deutschen Touristen gehört gehe ich natürlich auch bei Lidl einkaufen. Seltsamerweise bekomme ich Spanische Cherry Tomaten nur bei Lidl und die sind teurer als in Deutschland. Und ich habe rausbekommen, dass die Lidl App auch in Portugal funktionert wenn ich in der App das Land umstelle. Also kann ich auch hier auf Schnäppchen Jagd gehen und Lidl weis das ich in Portugal bin. Lidl bietet mittlerweile auch auf einigen Parkplätzen kostenlose Wohnmobil Stellplätze an. Auch zum Übernachten.
Beeindruckend ;).
Mein Ziel für heute ist die alte Portugiesische Kleinstadt Bathala mit einem Kloster der Dominikaner. Das ist auch das einzige was die Stadt zu bieten hat.
Riesige Parkflächen um das Kloster, scheint ein Touristenmagnet zu sein. Glücklichweise nicht um diese Jahreszeit.
Der Bau des Klosters hat um 1350 begonnen und hat ca. 150 Jahre gedauert. Damit wahrscheinlich länger als Stuttgart 21. Kennzeichnend für das Kloster sind die teilweise nicht Fertiggestellten Zinnen. Erinnert mich ein wenig an Bad Hersfeld. Da haben manche Kirchtürme auch keine Zinnen. Oder sind komplett kaputt.
Eigentlich ein gotisches Kloster, durch die lange Bauzeit kann man auch andere Baustiele erkennen.
Das Portal in beindruckend.....
Die Bleiglasfenster stammen aus der um 1400 und sind nie restauriert wurden, nur regelmäßig gereinigt.
Ein Tipp: Im Dom zu Naumburg an der Saale hat der bekannte zeitgenössische Künstler Neo Rauch in einer Krypta neue Kirchenfester mit biblischen Darstellungen im Stil des sozialistischen Realismus gestaltet. Eine Spende von Neo Rauch an dem Dom. Seine Kunstwerke zählen neben den Bildern von Gerhard Richter (beide gehören zur Leipziger Schule) zu den aktuell teuersten in der Welt.
Früher wäre die Portugieser wohl recht klein, zumindest der alten Tür nach.
Die Gegend ist ein Zentrum der Korkindustrie, auf der Fahrt habe ich auch viele Korkeichen gesehen. Mir fällt ein, dass ich in den 90er Jahren als ich Fulda in einer Spedition gearbeitet hatte, sehr oft Weinkorken aus Portugal importiert hatten. Und das ich mal eine Exportsendung die nach Polen (PL) gehen sollte, auf dem LKW nach Portugal (P) verladen lassen hatte. Das führte zu einer "einseitigen Aussprache" mit dem Niederlassungsleiter......
Aktuell ist ist dem Ort, das Kloster ist UNESCO Weltkulturerbe, wenig los......
Ich lasse den Tag in einem Caffe ruhig ausklingen.....
Ich hatte einen schönen Platz in einer ruhigen Nebenstrasse zum übernachten an einem Park gefunden........
Dachte ich.
Am frühen Abend sind an der Strasse einige jungte Frauen im Bikini erschienen. Die haben mich auch sehr freundlich angelächelt. Was ich erwidert habe.
Ich habe vermutet das die Mädels vom Baden kommen und auf dem Bus warten. Und dachte hoffentlich erkälten die sich nicht, so warm ist es Abends auch nicht mehr.
Nach einer Weile habe ich mitbekommen das die nicht vom Baden kommen (das Meer ist ca. 70km entfernt) und sie auch keine Bikinis anhaben und auch nicht auf dem Bus warten.
Mir war dann klar geworden weswegen die dort gestanden haben. Das hat gedauert, ich komme auch vom Dorf ;).
Ich fahre an einen anderen Platz und habe meine Ruhe. Auch in der Nacht.
Tag 28, Freitag
Ein Besuch von Lissabon habe ich in mein "Progamm" mit aufgenommen. Allerdings habe ich wie immer keine Lust in große Städte zu fahren, Ein sicheren Parkplatz, der sich auch zum übernachten eignet, ist schwer zu finden.
An der Costa da Nova habe ich von meinen Camper Nachbarn einen Tipp bekommen. In Vila da Franca gibt es einen kommunalen Campingplatz von dem man in ca. 25min mit der Regionalbahn nach Lissabon fahren kann.
Über Nebenstrecken fahre ich nach Vil da Franca......ich habe ja Zeit.
Die Anmeldung war auf dem Campingplatz war etwas kompliziert, der Platz an sich war ok. Da ich keinen Strom benötige, habe ich für die Nacht knapp 9 Euro inkl. Duschen etc. bezahlt. Mit Blick auf die Fernstrasse. Aber der ganze Platz ist sehr gepflegt.
Da es früher Nachmittag ist erkunde ich noch den Ort bzw. informiere mich am Bahnhof wann die Züge nach Lissabon fahren.
In dem Ort ist die Zeit stehengeblieben, man sieht auch diesen Ort an das die besten Jahre vorbei sind. Auffällig sind die vielen Schwarzafrikaner. Darf ich das überhaupt so schreiben oder bin jetzt ein Rassist? Egal.
Aber der Ort hat Charme. An vielen Häusern kommt aus Lautsprechern Musik. Kein Fado, es kling ein wenig nach Salsa. Was ich nicht wusste. Auch in Portugal gibt es Stierkämpfe. Allerdings werden die anderes ausgetragen als in Spanien. Der Cavaleiros (Stierkämpfer) lässt die Stiere meistens leben. Letztendlich ist es auch nur ein Schauspiel auf Kosten der Tiere. Ist es besser als die Massentierhaltung für unsere Ernährung?
Auf jeden Fall scheint der Stierkampf hier ein lange Tradtion zu haben.
Ich habe letztens im Radio von einem "Star Friseur" gehört, dass es einen Unterschied zwischen eine schlechten Frisur und schlechten Haaren gibt.
Da ich keine schöne Frisur mehr hatte, aber schöne Haare, habe ich die Gelegenheit genutzt um mit wieder ein schöne Frisur zuzulegen. Das Geschäft war auch gleichzeitig eine Bar. Mit 12 € nicht gerade billig, egal Hauptsache ich habe wieder eine schöne Frisur.
Ich besuche noch eine kleine Ausstellung und ziehe mich dann auf den Campingplatz zurück.
Tag 29, Samstag
Wann die Züge fahren nach Lissabon fahren, habe ich gestern relativ schnell rausgefunden. Mit den stündlich fahrenden Regionalzügen ist es am günstigsten. Für die fast 30min Fahrt bezahle ich knapp 5 € (zurück auch). Ich finde erstaunlich wie einfach der Fahrplan und das Tarifsystem zu verstehen ist. Wenn ich da an den Hersfelder Busfahrplan, kompliziertes geht es nicht. Deswegen sind auch die Tickest auch so teuer, immerhin ist es ein hoher akademischer Aufwand notwendig um ein kompliziertes Tarif- und Fahrplan System zu entwickeln. Und das muss schließlich bezahlt werden. Ein Fahrkartenschalter in dem ein lebender Mensch auch Auskunft geben konnte, war auch noch vorhanden.
Der Bahnhof, klein aber hübsch.
Der Zug war pünktlich aber relativ voll.
Vom Bahnhof in das Zentrum sind es ca. 3km. Ich laufe und entdecke so einen Flohmarkt.
Ich kaufe ein erstes Mitbringsel für zu Hause, Ein Brosche aus Platin mit 4 Saphiren und in der Mitte ein kleiner Diamant. Ist echt und für 6 € ein Schnäppchen. Hoffe ich.
Obwohl keine Saison war die Stadt voller Touristen. Aber dennoch sehr schön.
Jungpioniere oder Pfandfinder?
Die Kinder hatten ziemlich große Rucksäcke zu schleppen. In Deutschland würden die Eltern die Rucksäcke hinterherfahren damit die kleinen hochbegabten Prinzen sich nicht so anstrengen müssen ;). Und nur zwei Erzieher dabei. Hier zählt Disziplin. Und nicht nur Selbstverwirklichung.
Der Hafen von Lissabon. Die berühmten Seefahrer Vasco da Gama, Bartolomeu Dias, Pedro Álvares Cabral und Ferdinand Magellan sind von hier gestartet.
Eine der bekanntesten Plätze von Lissabon.
Mit den alten Straßenbahnen bin ich nicht mitgefahren. Völlig überfüllt.
Und endlich mal eine Paella.....
Die Kathedrale von Lissabon.....
Ich verzichte auf ein Taxi und laufe am späten Nachmittag wieder zum Bahnhof.
Die Bahn kommt. Der Zug bringt mich wieder pünktlich zu Tante Inge.
Tag 30, Palmsonntag
Das heute am Palmsonntag im ganzen Land Prozessionen stattfinden habe ich irgendwie übersehen. So katholisch bin ich nun auch wieder nicht.
Mein Ziel heute ist der das Capo Espichel mit Leuchtturm südlich von Lissabon.
Ich fahre einen großen Bogen um die Stadt und treffe am frühen Nachmittag ein. Dank ausreichender Bodenfreiheit von Tante Inge finde ich einen schönen Platz für Tante Inge und mich.
Und toller Aussicht....
Und ein Leuchtturm.
Aus dem Jahre 1790 und einer der ältesten Leuchttürme Portugals. Und immer noch im Betrieb.
32m hoch. Das Licht scheint bis zu 26 Seemeilen weit. Das sind fast 50km. Leuchttürme sind heute immer noch Navigationshilfen und dienen Backup sollte das GPS System ausfallen. Und das kann aktuell schon passieren wenn ich sehe was für ein Cretin heute meint die Welt zu regieren.
Am Ende des Kap gibt es noch eine verlassene Einsiedelei.
Hier gefällt es mir. Ich beschließe hier noch einen Tag zu bleiben.
Am Abend zum Sonnenuntergang wird es relativ voll. Da Sonntag ist kommen auch viele Eingeborene um den Sonnenuntergang zu genießen.
Tag 31, Montag
Die Nacht war ruhig, kaum Wind. Und dann der Sonnenaufgang.
Nachdem Frühstück starte ich zu einer Wanderung zu gegenüberliegenden Klippe. Dort steht ein verlassenes Kloster.
Sieht aus als ob die Kapelle die Mauren gebaut haben. Aber das Baujahr ist so um 1700, da waren keine Mauren mehr hier.
Der Touristische Ansturm hält sich in Grenzen......
Heute am Montag sind relativ wenig Besucher zum Sonnenuntergang hier......eigentlich bin ich allein......und das ist auch schön.
In der Nacht prüfe ich ob der Leuchtturm auch leuchtet. Und er funktioniert.
Leuchtturmwärter wäre auch ein Beruf für mich gewesen. Abends das Licht einschalten und morgen wieder ausschalten. Und ab und zu die Spiegel putzen. So ein Burn out zu bekommen ist schwer vorstellbar.
Tag 32, Dienstag
Noch vor dem Frühstück treffe ich eine wichtige Entscheidung.
Ich bleibe hier noch einen Tag stehe. Wasser und Chappi habe ich noch genug, die Solarzellen liefern mehr Strom als ich benötige.
Und was mache ich heute ?
Nichts und schaufe aus das Meer.
Das beruhigt.
Und ich freue mich.
Und schreibe ein wenig an meinem Reisebericht.
Was mache ich morgen. Fahre ich weiter. Keine Idee. Am 27.04 muss ich auf die Fähre nach Marokko. Ich habe keinen Zeitdruck......
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