Tag 71, Samstag
Wir erleben einen schönen Sonneaufgang auf unserem Campingplatz in der Dadesschlucht. Bei der Auswahl unserer Übernachtungsplätze hat Maroccaravan immer die schönsten ausgewählt. Das Spiel der Farben ist unbeschreiblich und die Kamera kann das kaum einfangen.
Mein persönlicher Wachhund hat die ganze Nacht auf mich ausgepasst. Früh war er dann müde.
Die Gruppe trennt sich, es gibt verschiedene Routen zum nächsten ziel, die Todra Schlucht. Einige fahren schon los. Andere machen hier in der Dades Schlucht noch eine Wanderung. Und was mache ich?
Ich bleibe hier und denke über meinen defekten Reifen nach.
Hassan kommt mit der freudigen Nachricht dass es in ca. 20km Entfernung eine Reifenwerkstatt gibt die den Reifen reparieren kann. Da der Luftverlust sehr schleichend ist kann ich ohne Probleme die 20km fahren ohne auf das Reserve Rad aufzuziehen.
Wir fahren in den Ort, Hassan hält. Da ich auf den ersten Blick keine Reifenwerkstatt gesehen hatte, dachte ich Hassan will sich einen Kaffee holen.
Dem war nicht so. Es waren 3 Tore, in einem arbeitet ein Schlosser, in der Mitte lagen Reifen und rechts wurde gerade ein Mopedmotor zerlegt. Der Kurbeltrieb mit den Kolben wurde im Sand abgelegt. Und später wieder eingebaut.
Und in der Mitte war tatsächlich die Reifenwerkstatt. Um ehrlich zu sein, die Besichtigung der Werkstatt machte mich ein wenig skeptisch.
Inschallah kommt mir nur schwer über die Lippen.
Ich vertraue Hassan und wir warten ca. 10min bis ein Platz vor der Werkstatt frei. D.h. auf der Straße soll der defekte Reifen demontiert werden. Und ich stelle fest, dass es mir nicht gelungen ist,die deutsche Denkweise abzustellen. Die Werkstatt wird eine gute Arbeit machen, aber auf Marokkanische Art. Wenn ich so etwas nicht akzeptiere muss ich in Deutschland bleiben.
Gut das mein Sprinter noch mit einem Wagenheber ausgestattet ist (die neuen Sprinter haben keinen mehr). Der Wagenheber der Werkstatt passt nicht an den Aufnahmepunkt und an der Hinterachse möchte ich nicht das der Wagenheber angesetzt wird.
Die Straße ist leicht abschüssig, die Handbremse wirkt nur auf die Hinterachse und die wird angehoben. Gegen wegrollen wird das Fahrzeug mit Steinen gesichert. Meine mitgeführten Unterllegkeile werden nicht für ausreichend bewertet.
Hassan hilft dem Monteur, der Reifen ist schnell demontiert. Eingetaucht in einem Wasserbad sind an dem Reifen keine Luftblasen zu erkennen. Aber an der Felge. Die Felge hat einen Riss. Bei dem Belastungen der letzten Tage kann das vorkommen denke ich.
Der Reifen wird von der Felge gezogen. Der Monteur weis was er macht. Auch wenn es nicht die modernste Werkstatt ist. Und der Monteur keine Arbeitschutzschuhe trägt ;). Zertifiziert ist die Werkstatt auch nicht.
Der Riss in der Felge sieht etwas komisch aus, als ob da schon einmal jemand geschweißt hat. Was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, dass Schweißen von Felgen ist in Deutschland nicht üblich. Werde ich zu Hause klären.
Ich habe noch die Original Mercedes Stahlfelgen montiert, Ersatz lässt sich bestimmt in Marokko beschaffen. Mercedes hat hier einige Vertragswerkstätten.
Der Monteur will die Felge schweißen lassen, hier die übliche Vorgehensweise bei gerissenen Felgen. Und er verschwindet mit meiner Felge in der Hand. Ich mache mir Sorgen. Es ist bereits Samstag Nachmittag und es wird überall noch gearbeitet. Die Work Life Balance spielt hier offensichtlich nicht die Rolle wie bei uns. Wir diskutieren in Deutschland über die 4 Tage Woche, gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit und weiteren Unsinn und wollen uns weiterhin einen Sozialstaat der für alles da ist, leisten. Das was die "Kriegsgenerationen" mit viel Arbeit und Entbehrungen aufgebaut haben, machen wir sok aputt. Und die am wenigststen dafür getan haben und auch nichts dafür tun wollen, nennen sich auch noch die letzte Generation.
Nach ca. einer Stunde kommt der Monteur wieder, die Felge wurde 1A geschweißt (kenne mich das aus, habe das vor 45 Jahren mal gelernt). Die Marokkaner verstehen ihr Handwerk.
Der Reifen wird auf die geschweißte Felge aufgezogen und ist dicht. Sicherheitshalber fahre ich mit dem Reserverad weiter und die gescheißte Felge wird das Erstatsrad. Nach dem Urlaub wollte ich sowieso neue Reifen und Felgen montieren (habe relativ günstig einen Satz mit Felgen bekommen).
Nach ca. 3 Stunden ist alles repariert, die Kosten lagen bei ca. 30 € (umgerechnet). Ich bin zufrieden. Und Hassan dankbar das er sich um alles gekümmert hat.
Tipp: Für den Wagenheber unbedingt einen Untersatz aus Holz mitführen. Dann kann er nicht einsinken. Meine Untersatz hat Rhön Camp für mich angefertigt. Und man sollte vor einer Tour mal einen Reifenwechsel üben.
Ich muss zu unserer Gruppe, die sich bereits in der Todrs Schlucht befindet, aufschließen. Es sind nur 120 km über einen Pass, aber es wird dauern. 2017 bin ich die Strecke mit dem Moped gefahren, da war es noch eine Schotterpiste. Aber ich habe Zeit, es wird noch hell sein wenn ich ankomme. Inschallah
Die Todres Schlucht ist touristisch voll erschlossen. Auch viele Marokkaner machen hier Urlaub. Die bis zu 300m hohen Felsen lassen nicht viel Sonnenlicht in die Schlucht.
Auf einem schönen Campingplatz treffe ich wieder auf unsere Gruppe. Und es wird noch ein schöner Abend.......
Tag 72, Sonntag
Wir bleiben einen weitern Tag auf dem Campingplatz zum Ausruhen. An den Pool bzw. in das Wasser gehe ich nicht. Zu kalt. Ich räume aus, wasche Wäsche und meditiere ein wenig.
Und schreiben meine Reisgedanken auf......die dann zum Reisebericht werden. Für mich wichtig, aber ich freue mich auch wenn andere daran teilhaben. Da ich das nicht kommerziell mache, kann ich auch schreiben was ich will. Für mich ein Privileg.
Am Abend essen wir in dem sehr guten Restaurant am Campingplatz Tajine mit Hähnchen und Zitrone.
Wieder ein schöner Abend mit einer Coolen Gruppe.
Tag 73, Montag
Am späten Nachmittag wollen wir uns heute in Rissani treffen und dann die Sanddünen der Erg Chegg fahren.
Jeder fährt für sich am. Aber nahen Carfour Supermarkt treffen wir uns fast alle wieder. Die Supermarktkette verkauft auch Alkohol der sonst in Marokko nicht zu kommen ist. Ich kaufe mir Gouda Käse, habe regelrechten Heißhunger darauf.
Ich fahre die erste Zeit über Nebenstrecken, ohne Navi geht es nicht.
Jede Möglichkeit die es gibt wird für die Landwirtschaft genutzt. Erstaunlich was dem Boden alles abgerungen wird.
Das erste Ziel ist ein Berbermuseum. Schwierig zu finden da es nicht ausgeschildert ist. Aber gemeinsam mit einem Pärchen aus unsere Gruppe finden wir es.
Das Museum befindet sich einer typischen Festungsartigen Wohnanlagen der Berber und ein kleiner Teil davon ist ein Museum. Sehr informativ und authentisch. Und die Erlöse aus dem Eintritt und dem Verkauf von Andenken kommen den Berbern hier vor Ort zu gute.
Auf manche Bereiche des Museums habe ich verzichtet......
Die Schriftzeichen der Berber. Anders als im Arabischen wird von Links nach Rechts geschrieben......
Ich kaufe noch ein schönes Tuch welches hier hergestellt wurde und nicht von Temu kommt......behalte ich es oder verschenke ich es....das weis ich noch nicht.
Wir fahren weiter zum Treffpunkt nach Rissani. Es weht immer mehr Wind und Wolken ziehen auf. Es sind aber immer noch ca. 30 Grad.
In Rissani treffen wir auf unseren Guide Hassan.......
und essen Berber Pizza....
Schmeckt es?
Der Wind ist noch stärker geworden. Hassan schlägt uns vor, dass wir wegen Sturm nicht in der Erg Cheggi autark übernachten sondern bei einem Hotel in der Erg Cheggi. Gute Idee?
Der Sandsturm ist beeindruckend, wenn man im Auto sitzt.
Am Hotel angekommen stellen wir fest, dass es und keinen Schutz vor dem Wind und Sand bietet. Auch in den Innenhöfen von dem Hotel überall Sand, Sand und auch Wind und Wind.
Was nun?
In der Gruppe wird diskutiert ob wir woanders hinfahren wo weniger Wind ist. Ich habe das Gefühl das die Stimmung am kippen ist. Hassan und Eva von Maroccaravan im Hintergrund schaffen es uns davon zu überzeugen, dass es besser hierzu bleiben. Wind ist überall und es ist schon spät. Und die beiden haben recht. Die beiden haben die Erfahrung. Hassan kann wahrscheinlich nicht verstehen was wir für ein Gedöns um ein wenig Sand in der Luft machen.
Wir haben das Abenteuer in der Wüste gesucht und auch gefunden. Das Wetter können wir nicht beeinflussen, wir müssen es akzeptieren so wie es ist. Der Wind und Sand kann nicht auf Knopfdruck abgestellt werden. Mit diesen Gedanken finde ich meinen "Frieden" wieder. Und stelle fest wie verwöhnt ich bin.
Wir stellen einige Wohnmobile so hin, dass wir einigermaßen geschützt sind (was nicht gelingt) und setzen uns zusammen. Der Wind hat etwas nachgelassen, es gibt aber immer wieder heftige Böhen.
Und dann sitzt die Gruppe vollständig beisammen und wir sind alle wieder zufrieden. Auch wenn es mir den warmen Sand in das Gesicht weht. Kostenloses Peeling für die Haut hatte ich noch nie.
Der Tisch wurde vom Sand schön dekoriert......
Hätte nicht gedacht das es noch so ein schöner Abend wird.......
Aber irgendwann wird es mir doch zu viel Sand im Gesicht, auf dem Kopf, in den Ohren usw. Ich ziehe mich zurück. Im Womo sind über 30 Grad. Ich dusche den Sand vom Körper.....das dauert. Anschließend überlege ob ich Fenster öffne um frische Luft in das Fahrzeug zu lassen. Damit kommt aber auch der Sand.
Ich entscheide mich dagegen, Fenster bleiben zu. Ein Sanddüne will ich nicht im Bett.
Pfiffig wie wir Ossis sind baue ich schnell ein Klima Anlage. Wie die funktionierte und wie die Nacht war ,erfahrt Ihr im nächsten Reisebericht.
Kommentar hinzufügen
Kommentare